Health Games – spielen, lernen, gesund werden
Serious Games & Gamification für Kinder im Krankenhaus
Spielen wirkt
Health Games sind digitale Spiele mit einem Ziel: Kindern im Krankenhaus helfen. Nicht mit Medikamenten, nicht mit Worten – sondern mit Spielen, die Angst kleiner machen, Ablenkung schaffen und den Körper bei der Genesung unterstützen. Was Erwachsene manchmal skeptisch macht, ist wissenschaftlich längst belegt: Spielen wirkt.
Unser Pediatric Health Play Team entwickelt und setzt Health Games gezielt ein – als Ergänzung zur medizinischen Behandlung, als Werkzeug für Patient Empowerment und als Weg zu einer Healing Environment in der Kinderklinik. Auf dieser Seite stellen wir zwei unserer Projekte vor.
Was sind Health Games – und warum wirken sie?
Health Games – auch Serious Games genannt – sind digitale Spiele, die nicht nur unterhalten, sondern einen konkreten gesundheitlichen Nutzen haben. Sie wurden speziell für den medizinischen Kontext entwickelt: mit definierten Wirkungszielen, wissenschaftlicher Grundlage und einer Gestaltung, die auf die Bedürfnisse kranker Kinder abgestimmt ist.
Der Mechanismus dahinter ist Gamification: Spielerische Elemente wie Aufgaben, Fortschritt und Belohnung aktivieren die Aufmerksamkeit und lenken sie gezielt vom Schmerz oder der Angst weg. Gleichzeitig fördern sie das Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit – zwei der wichtigsten Faktoren für das Wohlbefinden von Kindern im Krankenhaus.
Serious Games, Gamification, Bildungsspiele – was ist der Unterschied?
Serious Games sind Spiele mit ernstem Zweck: Sie können trainieren, erklären, therapieren oder Angst abbauen. Gamification hingegen bedeutet, spielerische Elemente in einen nicht-spielerischen Kontext einzubringen – zum Beispiel Punkte und Levels in ein Bewegungsprogramm einzubauen. Bildungsspiele (auch Edutainment genannt) verbinden Lernen und Spielen, um Wissen zu vermitteln. Alle drei Konzepte haben ihren Platz in der Health Play – je nach Ziel und Situation des Kindes.
Am UKE setzen wir vor allem auf Serious Games mit klarem klinischen Wirkungsnachweis. Unsere Health Games werden wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt.
Unsere Health Games – zwei Projekte, ein Ziel
Wir entwickeln Health Games, die dort helfen, wo es am meisten zählt: in belastenden Momenten. Zwei unserer Projekte zeigen, wie unterschiedlich Serious Games im Krankenhaus wirken können – und was sie gemeinsam haben: Sie helfen Kindern, Angst und Schmerz leichter zu begegnen.
Wie Health Games wirken – und was sie von gewöhnlichen Spielen unterscheidet
Ein Health Game ist kein gewöhnliches Spiel. Es wurde nicht entwickelt, um die Zeit zu vertreiben – sondern um in einem konkreten medizinischen Moment zu helfen. Ob Angst vor einer Untersuchung, Schmerzen während eines Eingriffs oder das Gefühl von Kontrollverlust: Jedes Health Game hat ein definiertes Wirkungsziel und eine wissenschaftliche Grundlage.
Der Unterschied zu gewöhnlicher Unterhaltung liegt in Intention und Design. Serious Games sind so gebaut, dass sie Aufmerksamkeit binden, Kontrolle zurückgeben und das Nervensystem beruhigen – genau das, was Kinder in belastenden Krankenhaussituationen brauchen. Die zwei Projekte, die wir hier vorstellen, zeigen, wie das konkret aussieht.
Pingunauten Trainer – furchtlos im MRT
Der Pingunauten Trainer ist eine kostenlose VR-Smartphone-App, die Kinder spielerisch auf eine MRT-Untersuchung vorbereitet. Die Enge der Röhre, der Lärm, das Stillliegen – das alles kann für Kinder ängstlich und überwältigend sein. Das Health Game löst dieses Problem, indem Kinder den Untersuchungsraum vorab in einer virtuellen Welt erkunden und trainieren, ruhig stillzuliegen – begleitet von den Pingunauten Lotta und Lars.
Wie funktioniert der Pingunauten Trainer?
In der App erkunden Kinder Schritt für Schritt einen originalgetreuen MRT-Raum in Virtual Reality. Kleine Spiele helfen dabei, das Stillliegen zu üben und den Ablauf der Untersuchung kennenzulernen – ohne Druck, ohne Angst, mit spielerischer Begleitung. Das Ziel: Kinder so gut vorbereiten, dass auf Sedierung oder Narkose verzichtet werden kann. Die App ist kostenlos verfügbar und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
Sweet Dive VR – abtauchen statt Angst haben
Sweet Dive VR ist ein Health Game, das bei schmerzhaften medizinischen Eingriffen – wie dem Legen eines Ports oder einer Punktion – Ablenkung und Schmerzreduktion bietet. Kind und Begleitperson spielen dabei gemeinsam: Das Kind trägt eine VR-Brille und taucht in eine bunte Unterwasserwelt ein, während die Begleitperson per Sprachkommando mitspielt. So entsteht ein kooperatives Serious Game, das beide gleichzeitig ablenkt und die Behandlungssituation für alle Beteiligten erleichtert.
Was macht Sweet Dive VR besonders?
Der innovative Ansatz liegt im kooperativen Gameplay: Nur das Kind sieht die Unterwasserwelt – die Begleitperson muss nach Anweisungen des Kindes handeln. Das schafft eine dynamische, gemeinsame Erfahrung und lenkt beide von der Behandlung ab. Die Gamification-Logik dahinter: Je aktiver das Kind spielt, desto weniger Kapazität bleibt für Schmerz und Angst. Sweet Dive VR wird aktuell in einer klinischen Multizenterstudie an den Universitätskliniken Essen, Hamburg-Eppendorf und Schleswig-Holstein wissenschaftlich geprüft.
„Wir forschen, damit sich Kinder und Jugendliche während eines – womöglich längeren – Krankenhausaufenthaltes sicher fühlen und diese belastende Erfahrung möglichst gut bewältigen können.“
Dr. Mustermann, Ärztin in der Pädiatrie
Health Play und Forschung – wie wir Health Games weiterentwickeln
Health Games sind nur so gut wie ihre wissenschaftliche Grundlage. Deshalb entwickeln und evaluieren wir unsere Serious Games kontinuierlich – in enger Zusammenarbeit mit der Forschung, mit klinischem Personal und mit den Kindern selbst. Health Play bedeutet für uns: nie aufhören zu fragen, was wirklich wirkt.
Was heute als Pilotprojekt beginnt, kann morgen Standard in Kinderkliniken weltweit sein. Die Ergebnisse unserer Studien veröffentlichen wir – damit andere Kliniken und Forschungsteams davon profitieren können.
Gamification in der Medizin – weit mehr als ein Trend
Gamification in der Medizin ist keine Modeerscheinung. Die Forschungslage ist eindeutig: Kinder, die während medizinischer Eingriffe spielen oder sich auf sie vorbereiten können, zeigen weniger Angst, benötigen weniger Schmerzmittel und erholen sich schneller. Serious Games wie der Pingunauten Trainer und Sweet Dive VR liefern den Wirkungsnachweis direkt aus der Praxis.
Unser Ziel: Health Games als festen Bestandteil der pädiatrischen Versorgung etablieren – nicht als Zusatz, sondern als Standard. Das ist Health Play in seiner wirksamsten Form.